The Magic Circle Season 2 Teaser: Was besagt die »Small Penis Rule«?

Wir steuern langsam aber sicher auf Staffel 2 unserer Audio-Gameshow The Magic Circle zu! Hier ein weiterer Teaser aus einer neuen Auflage unseres Wikipedia-Quizzes: Was besagt die »Small Penis Rule« und warum hat Michael Crichton schon einmal von ihr profiert?

Alle Folgen hier.

June 21, 2022 video teaser podcast wiki quiz trivia michael crichton magicircle season 2 magicircle comedy audio

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The Magic Circle Season 2 Teaser: Welche Popkulturfigur beschreibt meine Mutter?

Wir sind noch immer bei den Aufnahmen für Staffel 2 von The Magic Circle, ein Bisschen müsst ihr euch also noch gedulden. Ich konnte aber nicht abwarten, dieses Spiel mit euch zu teilen: Ich habe meiner Mutter Bilder von Popkulturfiguren (Cartoon-Charaktere, Videospielfiguren etc.) gezeigt & sie visuell beschreiben lassen. Meine Kandidat*innen müssen erraten, um welche Figur es geht.

Hier könnt ihr weiterhin Staffel 1 hören und den Podcast abonnieren.

May 27, 2022 the magic circle magicircle podcast teaser quiz comedy audio video

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Gefasst, aber ausweglos: Die uneindeutigen Verluste einer späten Autismus-Diagnose

Hier in der Audio-Version:


Vor kurzem bin ich in meiner ersten Improv-Show aufgetreten. Es war die abschließende »class show« meines Grundlagen-Kurses & entsprechend, technisch gesehen, schlecht. Das Publikum bestand ausschließlich aus Freund*innen & Familie, also Menschen, die verpflichtet waren, unseren Dilettantismus auch noch zu feiern. Ich bin, würde ich sagen, so mittel talentiert — gerade gut genug, dass man sich fragen muss, ob ich denke, dass ich super wäre, was, glaube ich, noch unangenehmer anzugucken ist als wenn ich so richtig mit Anlauf scheiße wäre. Ich hatte großen Spaß, & wenn es dem Publikum wider Erwarten auch gefallen hat, ist das ein schöner Bonus, aber wenn nicht, ist mir das auch egal. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so »im Moment« gefühlt habe, so wenig nachgedacht habe. Würde meine alte Therapeutin die letzten Sätze lesen, würde sie das wahrscheinlich als Durchbruch feiern: Ich bin von Natur aus ein overthinker & mein Bedürfnis, von allen gemocht zu werden, ist pathologisch.

(Wieder) mit Improv anzufangen war etwas, das ich mir seit Jahren gewünscht aber mich nicht getraut hatte: Mein erster Anlauf vor 6 Jahren endete, weil eine akute Krise meines Selbstwertgefühls und ein neuer Job im redaktionellen Teil eines deutschen Werbe- & Medienriesen, bei dem niemand jemals arbeiten sollte (vor allem nicht, wenn man eh schon Krisen des Selbstwertgefühls hat) mich zum Aufgeben zwangen. Diesen Wunsch umzusetzen tat mehr für meine geistige Gesundheit als die letzten 6 Jahre Therapiearbeit. Nicht zufällig passiert es zeitgleich damit, dass ich endlich die Sorte kreativer Projekte angehe, die ich seit Jahren im Kopf habe, aber aus Träg- & Feigheit nicht angegangen bin.

Warum, also, macht mich all das traurig? Nicht währenddessen, nicht nur, und nicht depressiv, sondern wirklich traurig, wie wenn man um etwas trauert halt?


In seinem berührenden Essay-Band Allein konfrontiert Daniel Schreiber seine Lebenssituation als schwuler, im mittleren Alter noch immer alleinstehender Mann, und fragt sich ob ein solches Leben ein erfülltes sein kann. Gibt es ein valides, gleichwertiges Lebensmodell jenseits der Paarbeziehungen, die die meisten seiner Freunde eingehen?

Ein Konzept, das Schreiber heranzieht, um die diffuse Traurigkeit zu verstehen, die er angesichts der Einsicht empfindet, dass das Modell der Paarbeziehung, des »Sich-Niederlassens« vielleicht nie seine Lebensrealität sein wird, ist die Idee von »ambiguous losses«, uneindeutigen Verlusten, entwickelt von der Psychotherapeutin Pauline Boss:

Uneindeutige Verluste zeichnen sich durch einen Mangel an Informationen, durch ein Paradox von Anwesenheit und Abwesenheit, ein »sowohl als auch« aus, durch eine Ambivalenz, die dafür sorgt, dass der Trauerprozess ins Stocken gerät oder gänzlich ausbleibt. Wege zu finden, mit der neuen Situation zurechtzukommen, grundlegende Entscheidungen für ein neues Leben zu treffen, weiterzumachen und neu anzufangen — all das wird durch diese Ambivalenz erschwert. Pauline Boss zufolge geht mit uneindeutigen Verlusten eine eigene Form der Traumatisierung einher.

Als Beispiele für uneindeutige Verluste nennt Boss etwa Angehörige, die an Demenz leiden, also physisch anwesend, aber nicht mehr ganz sie selbst seien, aber auch, sicher in anderer Intensität, Ghosting; in ihrem neusten Buch zum Thema, The Myth of Closure: Ambiguous Loss in a Time of Pandemic and Change, bezieht Boss das Konzept außerdem auf die Pandemie: auf das Leben, das wir in dieser Zeit nicht so leben konnten, wie wir es wollten, die Erfahrungen, die wir nicht gemacht haben.

Schreiber wendet das Konzept noch etwas ganzheitlicher an:

In mancher Hinsicht lässt sich, wenn man allein lebt, das ganze Leben als ein »uneindeutiger Verlust« im Sinne von Pauline Boss beschreiben. Man trauert um einen Partner, den man nicht mehr oder noch nicht hat. Man schwankt zwischen Zuversicht, Traurigkeit und Verdrängung und versucht sich als Notlösung von der Idee der Zweisamkeit zu verabschieden. Man legt sein Leben immer mal wieder auf Eis, weil man nicht mehr weiterweiß, weil man den nächsten Schritt nicht gehen möchte, der das Alleinsein weiter zementieren würde.


Vor etwa 4 Jahren, mit 28, erhielt ich, nach einem langen Recherche- & Diagnoseprozess, meine offizielle Autismus-Diagnose. In erster Linie war das erfreulich: Es war ein bis dahin fehlendes, entscheidendes Puzzleteil1 meiner Identität. Es nahm eine Menge Druck von mir, eine Menge Schuld: Mein Leben muss nicht so verlaufen, wie die »Norm« diktiert, wenn die Art, wie ich denke, fühle & mit der Welt interagiere so entscheidend von der »Norm«, vom Neurotypischen abweicht. In den knapp 4 Jahren seitdem habe ich mit der autistischen Community auf Twitter interagiert, Erfahrungen & Theorie anderer autistischer Menschen gelesen, und so ein Zugehörigkeitsgefühl entwickelt, das ich so noch nicht kannte, auch eine Art von Selbstwertgefühl. Manches, Improv darunter, was ich seitdem ausprobiert oder wieder aufgenommen habe, hätte ich mich vorher wohl nicht getraut, oder, aufgrund dieser verinnerlichten Idee, was »normal« ist, gedacht, dass es dafür »zu spät« wäre.

Aber dann ist da halt auch noch eine diffuse Traurigkeit, eine Wut auch, die ich seit meiner Diagnose fühle.


Die Theorie von Neurodivergenz, die Art, wie autistische Menschen selbst ihre Identität begreifen, steht in der Tradition der Queertheorie. Man kann sich mit einiger Berechtigung fragen, ob »queer« sein & »neurodivergent« sein wirklich zwei unterschiedliche Phänomene sind, oder ob eher etwa eines eine Unterkategorie des anderen ist. Als heterosexueller cis Mann bin ich sicher niemand, dessen Stimme in dieser Frage besonderes Gehör verdient, aber alles, was Solidarität zwischen marginalisierten Gruppen fördern könnte, finde ich erstmal gut, und es ist mir schon oft aufgefallen, wie sehr ich mich — emotional, wenn nicht in den konkreten Erfahrungen — in Schilderungen queerer Menschen wiederfinde.2 Queere & neurodivergente Menschen sehen sich teils mit sehr ähnlichen Mustern der Diskriminierung konfrontiert: Beide Gruppen kämpfen gegen die Pathologisierung von etwas, das sie als essenziellen & positiven Teil ihrer Identität sehen.3

Entsprechend ist es wohl kein Wunder, dass ich mich auch mit Teilen von Schreibers Essay identifizieren konnte. So schreibt Schreiber:

Lange hatte ich keinen Mangel an Fantasien über Intimität und Liebe verspürt, sondern eher das Gegenteil, einen Überschuss. Doch die Anhäufung jener uneindeutigen Verluste, jener Lebenskonzepte, von denen ich mich verabschieden musste, schien dafür zu sorgen, dass mir die Kraft ausging, diese so notwendigen Fantasien aufrechtzuerhalten. Anstatt weiter mit ihnen zu leben, ließ ich lieber von ihnen ab.

Das naheliegende »Hoffnungslosigkeit« sei allerdings nicht das richtige Wort für dieses Gefühl:

Irgendwie fühlte es sich gefasster und zugleich auswegloser an. In seinem Buch Wie zusammen leben führt Roland Barthes in diesem Zusammenhang den Begriff der Akedia ein, einen Begriff, der ein größeres Echo in mir fand. Mit der ursprünglich aus dem frühen Christentum stammenden Idee meint Barthes eine »Beklommenheit«, eine »Bitterkeit«, eine »Trockenheit des Herzens«. Akedia beschreibt für ihn nicht den Verlust des Glaubens an die Liebe, sondern den Verlust des Interesses daran.

Unter queeren Menschen, glaubt Schreiber, sei dieses Gefühl besonders verbreitet:

Für viele von uns scheint eingetreten zu sein, wovor wir als Jugendliche, häufig sogar in bester Absicht, gewarnt worden waren: dass unsere Andersartigkeit für ein Leben sorgen würde, das wir allein, ohne Liebe, verbringen werden.

Ich glaube, auch viele autistische Menschen kennen eine Version dieses Gefühls, vor allem diejenigen von uns, die erst spät im Leben ihre autistische Identität entdeckt haben. Nicht unbedingt, oder nicht nur, in Bezug auf romantische Beziehungen, sondern auf all die Marker — beruflicher Erfolg, sozialer Status etc. — die, in der verbreiteten Erzählung, ein »normales«, erfülltes Leben anzeigen. Auch für viele von uns scheinen ein Stück weit die »Strafen« für unser Anderssein eingetreten zu sein, die man uns angedroht hat.

»Gefasst, aber ausweglos« trifft jedenfalls ziemlich genau, wie ich empfinde angesichts der Beobachtung, dass mein Leben bislang nicht so verlaufen ist, ich nicht da bin, wo ich nach der neurotypischen Erzählung sein »sollte«: Meine Diagnose bedeutet für mich, dass die Dinge, in denen ich von der »Norm« abweiche, nicht »falsch« sind, nicht pathologisch, krankhaft, dass ich sie nicht ändern muss; aber auch, dass ich diese Dinge nicht ändern kann, weil sie ein fundamentaler Teil meiner Neurologie sind, und dass deshalb, in einer Welt, die Anderssein bestraft, vieles, was ich mir wünsche, unerreichbar für mich bleiben könnte. Das späte Finden meiner Identität wird begleitet von dem Bewusstwerden einiger uneindeutiger Verluste — das Leben, was nicht sein kann, & das, was vielleicht hätte sein können, wäre ich nicht 28 Jahre meines Lebens im Unklaren gewesen: Hätten etwa die Freund*innen, die mich immer auf eine gewisse Distanz hielten, mich anscheinend nur in kleinen Dosen ertragen haben, mehr Verständnis gehabt, hätten sie gewusst, dass ich autistisch bin? Umgekehrt, hätte ich nicht fast 3 Dekaden lang gelernt, zu »maskieren«, neurotypisches Verhalten zu imitieren, würden die Menschen, die jetzt in meinem Leben sind, mich überhaupt mögen? Mit »Masking« kann man nicht einfach aufhören, wenn man über Jahrzehnte verinnerlicht hat, dass es nötig ist, um in einer neurotypisch dominierten Welt einigermaßen akzeptiert zu werden. Eine Version von mir, die nicht immer ein Bisschen auch eine Performance ist, werde ich nie kennenlernen. Wäre diese Version freier, selbstbewusster? Hätte ich früher mit den Dingen angefangen, die ich immer tun wollte? Wäre ich weiter in meiner persönlichen Entwicklung, meiner kreativen Verwirklichung? Wäre ich erfolgreicher, liebenswerter, glücklicher?


Der Schlüssel zu einem gesunden Umgang mit uneindeutigen Verlusten ist laut Boss, sich von dem Gedanken zu verabschieden, man könne »darüber hinwegkommen«. Stattdessen müsse man lernen, mit der Ungewissheit zu leben, Ambiguität auszuhalten, »sowohl als auch« zu denken; die Trauer über den Verlust mit sich zu tragen, und sich trotzdem vorwärts zu bewegen. Das ist, nun, leichter gesagt als getan.

Denke ich an die uneindeutigen Verluste des Lebens, das ich hätte haben können, und versuche ich mir dann vorzustellen, wie mein weiteres Leben aussehen könnte, gelange ich schnell an eine Blockade: Wie Schreiber es in Allein beschreibt, scheinen mir selbst Fantasien von einem anderen Leben nicht mehr zugänglich. Die Freude & Erleichterung darüber, endlich diesen zentralen Teil meiner Identität zu kennen, wird begleitet von Traurigkeit & Wut darüber, dass es solange gedauert hat, und dass ich für mein Anderssein so oft bestraft wurde. Gefasst, aber ausweglos: Von Moment zu Moment fühle ich mich so gefestigt wie nie, aber jeder Gedanke über den Moment hinaus, zurück an das, was (nicht) war oder nach vorn an das, was (nicht) sein kann, gibt mir das Gefühl, festzustecken. Ich kann nur versuchen, so gut es geht, so sehr das meiner Natur widerspricht, im Moment zu bleiben, nicht zu planen & nicht zurückzuschauen; zu improvisieren.


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  1. Diese Metapher bitte nicht als geistige Nähe meinerseits zu Autism Speaks oder den problematischeren Aspekten der Bedeutung des Puzzles als Symbol für Autismus interpretieren.↩︎

  2. Natürlich gibt es auch Unterschiede in den Erfahrungen — nur, weil ich autistisch bin, heißt das nicht, dass ich verstehe, was es bedeutet, queer zu sein.↩︎

  3. Es ist kein Zufall, dass etwa J.K. Rowlings berüchtigter Essay, in dem sie sich als Transfeindin bekannte, auch eine Passage enthielt, die autistischen Menschen die Deutungshoheit über die eigene Identität absprach.↩︎

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Löscht nicht euren Twitter-Account, startet ein Blog

Zwei Reaktionen dominierten meine Twitter-Timeline im Vorfeld der Übernahme durch Elon Musk: ostentatives Aufatmen (»Hoffentlich kauft Musk Twitter, dann haben wir einen Grund, es zu verlassen, und sind endlich frei«) und Verteidigen des eigenen Territoriums (»Wenn Musk kommt, gehe ich!«). Das fasst das Verhältnis zu Twitter, das viele von uns haben, glaube ich ganz gut zusammen: Twitter ist scheiße, finden wir, aber es ist unsere Scheiße, verdammt nochmal, Finger weg!

Jetzt, wo es — zu meiner Überraschung, muss ich gestehen — tatsächlich zu dieser Übernahme kommt, gibt es von beidem noch immer ein Bisschen, aber nach und nach kommen die meisten doch irgendwie zu dem unvermeidlichen Schluss: It just doesn’t matter. Also, tut es schon, irgendwie: Es ist halt ein weiterer, sehr deutlicher Hinweis, dass die Welt, in der wir leben, jetzt vielleicht noch nicht die bestmögliche ist — wenn es möglich ist, dass ein milliardenschwerer Trickbetrüger aus einer Laune heraus eine Plattform kaufen kann, die man aufgrund ihrer Größe und Rolle in unserer Online-Kommunikation im Grunde als kritische Infrastruktur bezeichnen muss, vielleicht sollten wir dann mal drüber nachdenken, ob wir nicht doch ein, zwei Dinge ändern könnten daran, wie diese Gesellschaft organisiert ist.

Aber für unsere tägliche Nutzungserfahrung auf der Website Twitter dot com wird das keinen großen Unterschied machen. Es wird nicht lange dauern, bis Musk merkt, dass eine solche Plattform zu führen a) Arbeit und b) kompliziert ist, dass möglichst oft »Freedom of speech!« zu brüllen noch nicht als kompetentes Management durchgeht, und dann wird er das Tagesgeschäft wieder jemand anderem überlassen und wir merken wenig von Musks Einfluss. Glaube ich. Hoffe ich.1

Trotzdem ist Musks Takeover für viele von uns Grund, unser Verhältnis zu Social Media und den Plattformen, die wir nutzen, zu überdenken, und das finde ich erstmal nichts schlechtes. Wovon ich nicht unbedingt viel halte, ist im Affekt seinen Twitter-Account zu löschen: a) werden die meisten von uns ja doch zurückkommen, wenn wir merken, dass auf Mastodon trotz einiger Gleichgesinnter, die mit uns gewechselt sind, nicht viel los ist, und b) ist das mit der demonstrativen Verweigerung, Produkt X oder Service Y zu nutzen, ja immer so ne Sache, wirklich verändern tut das nichts. Dennoch: Mich stört das schon, diese Elon-Musk-Sache, und ist ja nicht so, als hätte ich mich vorher auf Twitter so 100% wohlgefühlt, also habe ich mal überlegt, wie man diese Protest-Energie, die jetzt irgendwie da ist, halbwegs produktiv nutzen könnte, ohne deshalb gleich darauf verzichten zu müssen, Teil der Konversation zu sein, die nunmal immer noch auf Twitter stattfindet. Im Ergebnis habe ich meinen Nutzen von sozialen Medien ein Bisschen umstrukturiert — keine Ahnung, ob ich das so beibehalten werde, und wenn ihr mir auf Twitter folgt, aber nicht unbedingt Interesse an solchen Meta-Überlegungen habt, könnt ihr hier aufhören zu lesen, es ändert sich effektiv nichts für euch; aber vielleicht inspiriert es ja den einen oder anderen, oder es wird wenigstens lustig, sich das in nem Jahr durchzulesen und zu sehen, wie naiv ich war.

Das Stichwort lautet POSSE: Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere. Ich hab ja eh schon dieses Blog und die Domain dazu und vieles, was andere eher in einen Twitter-Thread packen würden, erscheint bei mir hier, und ich kann euch diese altmodische Art, im Internet zu publizieren, nur empfehlen: Nur so macht ihr euch wirklich unabhängig. Anstatt regelmäßig zu überlegen, was die am besten geeignete Plattform ist (oder welche am wehnigsten wehtut), um im Internet zu kommunizieren und zu publizieren, anstatt immer wieder aufs Neue Energie und Zeit in das Einrichten eines Profils bei der Plattform des Moments investieren zu müssen, richtet ihr euch euer eigenes kleines, permanentes Zuhause im Netz ein, und nutzt die großen Plattformen vor allem, um Leute dorthin zu leiten. Wenn irgendwas passiert, das euch unzufrieden(er) mit einer Plattform macht, tut euch das nicht weiter weh: Für euch war diese Plattform immer nur Mittel zum Zweck, immer nur Zweitverwerter, richtig einrichten wolltet ihr euch hier nie und alles, was euch wirklich wichtig ist, erscheint an einem sicheren Ort, über den ihr allein die Kontrolle habt.

Zukünftig soll diese Website auch noch mehr mein Social-Media-Zuhause sein: Viel von dem Bullshit, den ich bisher nur auf Twitter raushaue, poste ich jetzt erstmal hier. Das läuft via micro.blog, was auch irgendwie Social Media ist, aber nicht wirklich: Im Grunde sind es ein paar Blogs in einem Trenchcoat, die sich als Social Media ausgeben, statt ein Profil legt man halt ein Blog an, auf dem man seine Inhalte postet, und die werden dann in eine twitterähnliche Timeline aggregiert. Man könnte ähnliches auch mit WordPress machen, oder mit Blot, der Software, über die mein Blog läuft, aber micro.blog verbindet halt elegant die Bequemlichkeit moderner sozialer Medien mit den Prinzipien von Blogging, das ging einfach schnell, das so einzurichten, plus, ich mag das halt auch als Plattform für sich, mein Blog publiziert schon eine Weile lang automatisch alles auch dort. Man behält dort die Kontrolle über seine Inhalte, und es ist in alle Richtungen offen — nicht nur konnte ich da eben den existierenden RSS-Feed meines Blogs eintragen, damit auch meine Posts hier in der Timeline erscheinen, es geht auch in die andere Richtung: Meine Posts dort werden »syndiziert« an Twitter, auf meinen regulären Account, und an Mastodon, damit ihr Weirdos, die das nutzen wollen, mir auch folgen könnt (entweder meinem »echten« Mastodon-Account auf linke.social, oder direkt meinem micro.blog-Account über das etwas unhandliche Mastodon-Handle @smoitzheim@micro.sebastianmoitzheim.de; letzteres ist mir lieber, dann sehe ich eure Replies direkt in meiner micro.blog-Timeline und muss nicht Mastodon öffnen).

Um noch ein Bisschen deutlicher zu unterstreichen, dass Twitter zwar ist, wo die Konversation ist, an der ich teilnehmen will, aber nicht mein Social-Media-»Zuhause«, habe ich außerdem meine TweetDelete-Settings nochmal angepasst, statt nach 6 werden meine Tweets jetzt nach 3 Monaten automatisch gelöscht. Twitter hat meine Inhalte also, wenn man so will, nur für eine Weile lizensiert anstatt dass ich sie dauerhaft dort publiziere; wer, warum auch immer, ein Archiv meiner Posts ansehen will, ist hier, eben im Ökosystem meiner persönlichen Website, am besten aufgehoben. Oder, I guess, bei Mastodon, zumindest bis ich herausgefunden hab, wie man da auch so eine automatische Löschung einstellen kann.

Ändert das irgendwas? Nö, nicht wirklich, weder im Sinne von »es macht einen Unterschied für Twitter und seinen ekligen neuen Besitzer« noch im Sinne von »es ändert groß die Erfahrung meiner Follower*innen«. Es macht mich halt nur ein Bisschen unabhängiger von Twitter, ich könnte jetzt theoretisch meinen Twitter-Account löschen, ohne irgendwelche Inhalte zu verlieren, was ich nicht machen werde, aber ist doch schön zu wissen, oder?

Ich finde das auf jeden Fall sinnvoller, als unter Protest seinen Twitter-Account zu löschen oder sich allzu sehr auf Mastodon oder irgendeine andere Plattform einzuschießen, die am Ende ja doch nicht der Twitter-Killer wird. Wenn ihr auch überschüssige Protestenergie habt, aber jetzt auch nicht ausreichend davon, um euch ein neues Social-Media-Zuhause einzurichten, euch mit irgendwelchen IndieWeb-Prinzipien auseinanderzusetzen oder irgendwelche mehr oder weniger vielversprechenden neuen Plattformen anzugucken, lasst mich euch als kleinen, einfachen Schritt empfehlen: Reserviert euch, wenn noch nicht geschehen, zumindest schonmal eine eigene Domain. Ihr könnt euch dort ein Blog anlegen2, oder eine simple Profilseite, von mir aus auch einfach euer Linktree oder ähnliches verknüpfen; oder ihr macht erstmal gar nichts damit, aber seid dann beim nächsten Mal, wenn euch eine feindliche Übernahme oder ähnliches veranlasst, über eure Beziehung zu Social Media nachzudenken, schonmal einen Schritt weiter. .de-Domains sind ziemlich günstig, ich zahl gerade glaub ich mit ein Bisschen Webspace so 20€ im Jahr. In der Theorie würden wir, denke ich, alle gerne unsere Abhängigkeit von den Content-Silos überwinden; meines Erachtens sollte das Ziel aber nicht sein, dass wir alle dieselbe neue, bessere Plattform nutzen: Das Internet, was ich mir wünsche, ist eines, in dem wir alle unsere eigene kleine Plattform haben, i.e. eine persönliche Website, und diese dann miteinander vernetzen, und die großen Plattformen nur noch als Vermittler und Mittel zum Zweck betrachten, nicht als unser eigentliches Zuhause.3 Der Weg dahin ist lang, aber das gute ist halt, dass jede*r einzelne von uns sich heute schon auf diese Art einrichten kann, ohne darauf verzichten zu müssen, an der Konversation auf den großen Plattformen teilzunehmen.


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  1. Es gibt durchaus Gründe, sich Sorgen zu machen, etwa darüber, was Musks Interpretation von »free speech« für die Trans-Community bedeutet.↩︎

  2. Hier sind ein paar Tipps, welche Software ihr dafür nutzen könnt.↩︎

  3. Dieser Gedanke ist mit dem des »Fediverse«, zu dem Mastodon gehört, ja durchaus kompatibel. Das schöne an sowohl Mastodon als auch micro.blog und diversen anderen kleinen Plattformen ist ja vor allem, dass sie keine Silos sein wollen, sondern es unterstützen, wenn jede*r die Plattform seiner*ihrer Wünsche nutzt. Die Plattform eurer Wünsche sollte meiner Meinung nach halt zu allererst euer eigenes Blog sein, und das könnt ihr dann genauso wie in die Content-Silos auch ins Fediverse »syndizieren«.↩︎

April 27, 2022 blogs twitter social media plattformen internet elon musk text

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Wie man Wetten, dass…? retten könnte

Das ZDF hat gerade angekündigt, weitere Ausgaben von Wetten, dass…? mit Thomas Gottschalk zu produzieren. Das wird scheiße, aber man könnte aus dem Konzept schon auch eine Sendung machen, die nicht scheiße ist. Ich hab letztens bei einer Magic-Circle-Aufnahme erklärt, wie.

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Friedrich Merz — Das Geheimnis zu seinem Erfolg! | Die erste Folge meiner neuen YouTube-Reihe DOOMSCROLL’D!

Liebe Leser*innen,

ich wünsche euch ein stark verspätetes gutes neues Jahr! Entschuldigt die Stille die letzten Wochen: Ich hatte nicht viel Zeit für dieses Blog, da ich intensiv mit der Arbeit an einem Projekt beschäftigt war, das ich euch heute, endlich, präsentieren kann.

Doomscroll’d ist eine Video-Reihe, die ich gemeinsam mit meinen Freunden Leonhard Balk (aka Linke Sau) und Conrad Mildner produziere. Es ist eine politische Comedy-Show, eine Art Mix aus Some More News, Mystery Science Theater 3000 und der Sesamstraße.

In der ersten Folge geht es um den neuen CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz. Ich würde mich freuen, wenn ihr mal reinschaut:

January 14, 2022 doomscrolld comedy politik friedrich merz leonhard balk conrad mildner video

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